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Gründungsprotokoll vom 1. März 1949
- Auszug aus dem Original-Protokollbuch des Posaunenchor Halsdorf -


Gründungsprotokoll
des Posaunenchores Halsdorf
Einen lang ersehnten Wunsch vieler Halsdorfer Bürger folgend, gründeten am 1. März 1949 30 Männer und Burschen einen Posaunenchor. Um das Zustandekommen des Chores haben sich ganz besonders bemüht, Mittel und Wege nicht gescheut, die Mitglieder: Fritz Peter, Heinrich Seibert senior, Georg Koch, Johannes Wege, Karl Metke, Pfarrer Rudolf Maurer und Eduard Klier. Als erste Bläser beteiligten sich: Heinrich (Heinz) Metke, Willi Metke, Paul Koch, Heinrich Seibert junior, Heinrich Westermann, Heinrich Schütz, Hans Vestweber, Heinrich Wege und Martin Becker.
Karl Metke als langjähriger Berufsmusiker hat sich bereit erklärt, den Chor musikalisch zu betreuen. Viele junge Leute strömten hinein in die Reihen, jeder wollte der erste Bläser sein und werden. Dem Karl Metke zur Seite gesellte sich, der aus dem SudetenIand stammende Neubürger Eduard Klier, ebenfalls gelernter Musiker. Die Letztgenannten haben sich verpflichtet, in ganz kurzer Zeit, den Neulingen zwei Lieder einzuüben und am Volkstrauertag am 13. März in der Kirche zu blasen. Wir alle wollen in Gottesnamen hoffen, dass der Chor sich gut entwickelt und die Bläser großes lnteresse zeigen, damit Halsdorf auch in kirchlicher Hinsicht seinen Mann steht.
Und nun lasst uns unseren Herrgott bitten, dass er uns Kraft gibt, das gute Werk in seinem Namen zu beginnen und zu vollführen.
Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf.
Halsdorf 01.03.1949
Heinrich Happel
Protokollführer
Am 07.03.1949 wurde eine Haussammlung innerhalb der Gemeinde durchgeführt und ergab den Betrag von 367,- DM (Dreihundertsiebenundsechzig).
Happel
Abschrift
aus dem Protokollbuch
aus altdeutscher Schrift übersetzt von Heinrich Bubenheim (U
2008)
Die Anfänge
Ich beginne mit dem Gründungsjahr und den Anfängen unseres Chores. 30 Männer gründeten unseren Chor – damals spielten Frauen noch keine Rolle im Posaunenchor – dieses hat sich mittlerweile glücklicherweise gründlich geändert.
Bereits 12 (!) Tage nach der Gründung hatte der Chor seinen ersten Auftritt beim Gottesdienst am Volkstrauertag, der damals noch im März begangen wurde. Laut Protokollbuch waren die Gottesdienstbesucher in der voll besetzten Halsdorfer Kirche ergriffen von den Darbietungen.
Weitere Einsätze folgten bei Familienfeierlichkeiten und kirchlichen Feiertagen. Insgesamt wurden bereits im Gründungsjahr 15 Geburtstagsständchen, 2 Hochzeiten, 2 Goldene Hochzeiten sowie 2 Beerdigungen musikalisch umrahmt. Der Chor traf sich wöchentlich und hielt zwei Übungsstunden ab – genauso wie heute!
Instrumente mussten besorgt und die notwendigen Finanzen beschafft werden. Bei einer Haussammlung im März 1949 in Halsdorf kamen 367 DM zusammen. Auch wurden dem Chor die halbe Kollekte des Volkstrauertages und die Kollekte des 2. Osterfeiertages zugesprochen. Vom Erlös eines Kindergartenfestes an der Linde, das die Gemeindeschwestern veranstalteten, erhielt der Posaunenchor ebenfalls die Hälfte für seine Aufbauarbeit.
Die finanziellen Möglichkeiten damals waren sehr bescheiden!
Drei Versammlungen wurden im Gründungsjahr neben der Gründungsversammlung abgehalten. Bei der Generalversammlung am 19.03.1949 wurde die Satzung verabschiedet. Diese Satzung legte unter anderem einen Monatsbeitrag von 0,50 DM und eine Aufnahmegebühr von 3 DM fest.
Außerdem fanden die ersten Vorstandswahlen statt.
Gewählt wurden:
1. Vorsitzender: Heinrich Jakob Henkel
Stellv. 1. Vorsitzender: Georg Kroh
Schriftführer: Heinrich Happel
Stellv. Schriftführer: Heinrich Seibert senior
Kassenwart: Karl Engel
Der Chor wurde vom Berufsmusiker Karl Metke geleitet. Ihm zur Seite gestellt wurde Eduard Klier, der aus dem Sudetenland stammte und ebenfalls vom Fach war. Eduard Klier hat den Chor dann ab 1950 bis zu seinem plötzlichen Tod am 18.11.1966 geleitet.
Bei einer weiteren Versammlung wurden die Modalitäten für Ständchen festgelegt. Außerdem wurde der Vorstand um die beiden Beisitzer Fritz Peter und Johannes Wege erweitert.
Im August 1949 fand eine weitere Versammlung statt.
„ln diesem Jahr lag die Gründung des Posaunenchores und wenn man die einzelnen Protokolle verfolgt, merkt man immer ein langsames Vorwärtsgehen, von Stufe zu Stufe, aber immer wollen wir bestrebt sein, besonders die aktiven Bläser, damit sie, die ihnen zur Verfügung gestellten Instrumente so beherrschen, dass sie jeden Choral aus dem Gesangbuch und jedes schöne alte Volkslied aus dem Stehgreif blasen.“
Jahresbericht 1949
Der Posaunenchor im Wandel der Zeiten
An den verschiedenartigen Aufgaben hat sich bis heute nichts geändert. Wo hat der Posaunenchor in der Vergangenheit mitgewirkt?
In erster Linie gestaltete und gestaltet der Posaunenchor Halsdorf das kirchliche Leben mit. Die musikalische Mitgestaltung von Gottesdiensten, z. B.
Adventsgottesdienste
Christvesper am Heiligabend
Konfirmation
Himmelfahrt
Erntedankfest
Volkstrauertag
Ewigkeitssonntag
sowie die Mitgestaltung von anderen kirchlichen Veranstaltungen und Festen, wie z. B. die Einführungsgottesdienste der beiden Pfarrer in 1970 und 2001 gehörten ebenso dazu wie die Gottesdienste zum Kindergartenfest und Kirchenjubiläen.
Nicht nur kirchliche Feste, sondern auch Feste und Veranstaltungen im Dorf hat der Posaunenchor immer musikalisch umrahmt. Hier wären z. B. die unvergessenen Kindergartenfeste unter der großen Trauerweide auf dem Gelände des alten Kindergartens, der Dorfabend und andere Vereinsfeste und Feierlichkeiten innerhalb der politischen Gemeinde.
So spielte der Posaunenchor z. B. bei der Einweihung der katholischen Kirche in 1955, bei der Einweihung der heutigen Mittelpunktschule Wohratal in 1965, bei der Einweihung des Bürgerhauses in 1976 sowie bei der Jubiläumsfeier 1.200 Jahre Halsdorf in 2002, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.
Auch vereinsintern hat der Posaunenchor einige Feierlichkeiten im Laufe der Jahre auf die Beine gestellt. So war der Posaunenchor mehrmals Veranstalter des Kreisposaunenfestes des Kirchenkreises Kirchhain. Auch haben die Bläserinnen und Bläser regelmäßig an den Kreisposaunenfesten im Kirchenkreis teilgenommen.
Viele gemeinsame Unternehmungen der Bläserinnen und Bläser wurden in der Vergangenheit gemacht, wie z. B. gemütliche Abende und Silvesterfeiern im Gemeindehaus, Maitouren mit Traktor und Instrumenten und vielen Getränken. Des weiteren betätigten sich zur Aufbesserung der Chorkasse die Bläserinnen und Bläser als Schauspieler auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“.
Der Posaunenchor war in der Vergangenheit auch viel unterwegs – und das nicht nur innerhalb unseres Kirchspiels. Viele schöne Fahrten wurden gemeinsam unternommen.
Fahrt an die damalige „Zonengrenze“ zum Hohen Meißner in 1961
1962 in den Harz
1963 an den Rhein und in den Odenwald
1970 unternahm der Posaunenchor eine 4-Tagesfahrt nach Berlin. Damals wurde mit dem Bus nach Kirchhain, von Kirchhain aus mit dem Zug nach Hannover gefahren und von Hannover aus mit dem Flugzeug ins geteilte Berlin geflogen.
Eine weitere Berlinfahrt fand dann in 1988 statt. Eine weitere Mehrtagesfahrt unternahm der Chor 1995 nach Schwerin.
Diese Fahrten waren eher touristische Fahrten. Der Posaunenchor hat aber auch einige Bläserfreizeiten durchgeführt, bei dem das gemeinsame Proben im Vordergrund gestanden hat.
Unvergessen sind die Bläserfreizeiten in Bieberstein/Rhön in den 80-er Jahren, wo unter anderem auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz der „Stechschritt“ unter Anleitung unseres damaligen Vorsitzenden Fritz Peter eingeübt wurde, sehr zum Erstaunen der Fahrgäste des Bummelzuges, der aus diesem Grunde extra einen außerplanmäßigen Halt eingelegt hatte.
Weitere Bläserfreizeiten wurden 1989 in Elbenberg und 1997 in Asche durchgeführt. Nach langer Pause hat der Posaunenchor im vergangenen Jahr an die alte Tradition angeknüpft und ein Probenwochenende am Edersee zur Vorbereitung auf das Weihnachtskonzert durchgeführt.
Darüber hinaus nahm der Chor auch an den Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover (1983) und Berlin (1987) teil. Es war schon ein bewegendes Erlebnis, mit 5.000 Bläsern aus dem gesamten Bundesgebiet im großen Rund des Berliner Olympiastadions gemeinsam zu musizieren und im „goldenen Meer“ zu versinken.
Am Posaunenchor kommt eigentlich keiner vorbei! Viele private Feiern in Freud und Leid hat der Posaunenchor in den vergangenen Jahren begleitet.
So erfreute der Posaunenchor viele Halsdorfer mit einem Geburtstagsständchen oder einem Ständchen zu Hochzeiten und anderen Ehejubiläen. Von den Anfängen bis zum Ende der 80-er Jahre spielte der Posaunenchor regelmäßig bei Halsdorfer Bürgern zum 70., 75., 80. Geburtstag und ab dem 80. Geburtstag jedes Jahr, wenn dies gewünscht war. So kamen zeitweise mehr als 60 Ständchen im Jahr zusammen.
Diese Belastung war teilweise recht hoch. Heute spielt der Chor bei seinen Mitgliedern zu runden Geburtstagen und Ehejubiläen.
Natürlich erfreuen wir auch Nichtmitglieder mit einem Ständchen, wenn dies gewünscht wird.
Wir begleiten die Halsdorfer Bevölkerung nicht nur bei freudigen Ereignissen. Wir begleiten i. d. R. auch die Beerdigungen in unserer Gemeinde. Gingen die Beerdigung lange Jahre vom Haus aus, so spielen wir heute an der Friedhofskapelle auf dem Halsdorfer Friedhof.
Seit Gründung des Posaunenchores konnten wir bisher alle Beerdigungen in Halsdorf begleiten. Das ist nicht selbstverständlich! Berufstätige Bläser können sich bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage nicht einfach für jede Beerdigung freinehmen. Trotzdem musste noch keine Beerdigung aus Mangel an Bläsern abgesagt werden – darauf sind wir stolz!
Die aktiven Bläserinnen und Bläser bilden den Kern des Chores. Viele haben im Laufe der 60 Jahre das Blasen auf Blechblasinstrumenten erlernt. Viele sind gekommen und viele sind wieder gegangen.
Mit 9 Bläsern begann der Chor seine Arbeit in 1949. Die Anzahl der Aktiven schwankte im Laufe der Jahre meistens zwischen 15 und 20 Bläsern. In 1982 waren es 26 Aktive, während der Chor im Jahr 2003 auf 7 Bläser zusammengeschrumpft war.
Heute zählt der aktive Chor 17 Aktive im Alter zwischen 11 und 52 Jahren. 1949 als reiner Männerchor gestartet, zählt der Posaunenchor heute 11 aktive weibliche Mitglieder. Ganze Familien treffen sich in der allwöchentlichen Übungsstunde: Tanten, Schwägerinnen, Nichten, Cousinen, Väter, Söhne, Schwestern und Brüder.
Wir sind ein moderner Verein geworden. An unseren vielfältigen Einsätzen und Aufgaben hat sich jedoch bis heute nichts geändert.
Die Aktiven sind eine Säule. Die Entwicklung des Posaunenchores hängt jedoch vom Chorleiter ab und von Menschen, die sich für diese Sache engagieren und einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit investieren. Dazu gehört eine ganze Menge Idealismus.
Als Chorleiter fungierten seit der Gründung:
1949: Karl Metke und Eduard Klier
1950 – 1966: Eduard Klier
- 1967 - 2003: Pfr. Burkhard Pandikow
2003 – 2004: Uwe Reuter (komm.)
Seit 2004: Philip Schütz
Die 1. Vorsitzenden seit 1949:
1949 – 1950: Heinrich Jakob Henkel
1950 – 1987: Fritz Peter
1987 (komm.) – 1992: Martina Reuter (heute: Gücker)
1992 – 1993: Dieter Bubenheim
1993 – 2003: Es findet sich kein 1. Vorsitzender.
Seit 2003: Dieter Bubenheim
Ich hoffe, dass der Posaunenchor seine erfolgreiche Arbeit noch recht lange weiterführen kann, und wünsche mir, dass sich immer wieder junge oder auch ältere Menschen finden, die bei uns mitmachen möchten und damit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung finden.
Wir freuen uns auch über Personen, die unsere Arbeit als fördernde Mitglieder unterstützen. Wir brauchen Sie!
Ich möchte meinen Bericht schließen mit einem Zitat aus dem Jahresbericht 1950, der auch heute noch zutrifft:
Die vielerlei Aufzeichnungen ergeben, zu was man einen Posaunenchor alles gebrauchen kann. Darum lasst uns fortfahren und nicht müde werden, ganz besonders die Bläser.
Jahresbericht 1950
Wohratal, im Mai 2009
Martina Gücker
Schriftführerin
Download: Vortrag "60 Jahre Posaunenchor Halsdorf - Geschichtlicher Rückblick" von Martina Gücker